Kita ErzieherInnen/Soziale Berufe besser bezahlen und mehr Anreize schaffen

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Stuttgart (gesamt)
Bad Cannstatt
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  • Kinder, Jugend, Familie
  • Kitas
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Ausgabe

Für unsere Stadt ist der Vorschlag:

Ergebnis:

975
weniger gut: -51
gut: 975
Meine Stimme: keine
Platz: 
19

Da immer noch erheblich viele Erzieher fehlen und immer mehr abwandern, sollte noch verstärkter daran gearbeitet werden, dass Erzieher bleiben wollen und neue kommen. Dafür ist es erforderlich, dauerhafte Anreize zu schaffen, also z.B. durch bessere Bezahlung (wie der Zuschlag für die Stadt), Zuschüsse, vergünstigten bezahlbaren Wohnraum.

Das Programm Tarif Plus für ErzieherInnen sollte daher weiterhin fortgeführt und nicht langsam eingeschmolzen werden. Vielmehr sollte es weiter ausgebaut und verfeinert werden.

Es sollte auch eine Umfrage und enge Zusammenarbeit mit den bestehenden Erzieherinnen geben, was sie brauchen und was ihnen helfen würde, damit sie bleiben. Auch sollte wieder die Anwerbung verstärkt in den Fokus gesetzt werden. Bislang wird viel zu wenig und selten Werbung für die zahlreichen offenen Stellen gemacht.

Auch Quereinsteigern sollte der Einstieg erleichtert werden. Ebenso Praktikanten oder alternative Ausbildungsmöglichkeiten durchdacht werden und eventuell so neue ErzieherInnen geworben werden. Gegebenenfalls Anreize für Auszubildende schaffen.

Einfach auf allen Ebenen sollte versucht werden, ErzieherInnen zu werben und zu halten.

Das gleiche gilt für andere soziale Berufe. Es muss finanziell möglich sein, in der Stadt zu wohnen, wo man arbeitet. Andernfalls wandern diese wertvollen Arbeitskräfte aufs Land ab.

Verwaltung prüft: 
ja
Stellungnahmen Verwaltung und Bezirksbeiräte
Stellungnahme der Verwaltung: 

Die Gehälter im Sozial- und Erziehungsdienst wurden in den letzten Jahren, insbesondere für die unteren Einkommensgruppen, deutlich angehoben. Das Einstiegsgehalt einer Erzieherin in Stuttgart, die ein Anerkennungsjahr oder ein Jahr Berufserfahrung nachweisen kann, liegt aktuell bei ca. 39.000 € Brutto (inkl. der TarifPlus-Zulage und der Jahressonderzahlungen). Als weiteren Anreiz erhalten die Beschäftigten ein Zuschuss zum Job-Ticket. Abwanderungstendenzen in das Umland sind nicht festzustellen.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Personalmarketingmaßnahmen im Rahmen der Werbekampagne „Komm-zu-uns“ durchgeführt. Zu den Maßnahmen zählen unter anderem Anzeigen in Printmedien, beispielsweise in Fachzeitschriften wie Meine Kita, Luftballon und Moritz. Zusätzlich findet sich auf der Homepage der Landeshauptstadt Stuttgart eine Dauerausschreibung. Da sich mittlerweile mit Online-Anzeigen ein größerer Bewerberkreis zielgerichtet ansprechen lässt, werden die Stellenanzeigen verstärkt auf Onlineplattformen wie z. B. monster/jobpilot, meinestadt, stepstone oder der Stuttgarter Zeitung online ausgeschrieben. Neben pädagogischen Fachkräften sollen auch geeignete Quereinsteiger/-innen angesprochen werden, die im Jugendamt entsprechend nachqualifiziert werden können. Das Fachkräftegebot in der Kinder- und Jugendhilfe schränkt die Auswahl der Quereinsteiger/innen ein. Darüber hinaus werden regelmäßig Karrieremessen, Fachschulveranstaltungen und Hochschulen besucht, um Schüler/-innen und Studenten/innen für den Beruf des/der Erziehers/-in zu begeistern.

Die Nutzung sozialer Medien erfreut sich in den letzten Jahren einer steigenden Beliebtheit. Aus diesem Grund pflegen die Mitarbeiter/-innen der Personalgewinnung vermehrt Profile in sozialen Medien sowie externe Bewertungsportale, um geeignete Bewerber/-innen anzusprechen und auf die Arbeitsmöglichkeiten beim Jugendamt Stuttgart aufmerksam zu machen. Durch regelmäßige Aktualisierung und neue Inhalte soll das Interesse der „Follower“ gewonnen und das Image des Jugendamts als attraktiver Arbeitgeber gestärkt werden. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Zahl der interessierten Personen in den verschiedenen Medienkanälen kontinuierlich steigt. Exemplarisch soll hierfür Facebook angeführt werden, in dem das Jugendamt bereits über 5.000 Abonnenten/-innen verzeichnen kann. Weitere Accounts werden unter anderem bei Instagram, XING und Azubyio betreut.

Auch das Thema Ausbildung hat einen sehr hohen Stellenwert im Jugendamt. Mit der Gemeinderatsdrucksache 638/2016 und im Rahmen der Haushaltsbeschlüsse 2018/2019 wurde eine Ausweitung der Praxisintegrierten Ausbildung auf 90 Plätze pro Jahr - allein beim städtischen Träger - beschlossen. Insgesamt werden jährlich über 600 Auszubildende, Praktikanten/-innen und Kurzzeitpraktikanten/-innen im Jugendamt betreut. Seit mehreren Jahren werden verstärkt auch im Ausland geeignete Fachkräfte angeworben. Bislang konnten so über 100 gut ausgebildete Fachkräfte für die Arbeit in den Tageseinrichtungen für Kinder gewonnen werden.

Trotz aller Bemühungen sind weitere Anstrengungen erforderlich, um neue Fachkräfte zu gewinnen und unsere pädagogischen Fachkräfte an die Stadt Stuttgart zu binden. Dem Gemeinderat werden noch in diesem Jahr neue Personalgewinnungsmaßnahmen und ein Verfahrensvorschlag zur TarifPlus-Zulage aufgezeigt.

Kommentare

13 Kommentare lesen

Viele Erzieher wandern ab, weil man sich mit dem (aus meiner Sicht viel zu niedrigem Gehalt) in Stuttgart schlicht keine Wohnung leisten kann; von Familie etc. ganz zu schweigen.

Ja, es sollten Wohnzuschüsse für soziale Berufe wie Erzieher, Kranken- und Altenpfleger geben, so dass diese auch im Sozialraum der Gesellschaft leben können, welche sie am Leben erhalten.

Unterstütze den Vorschlag auch!

Was die Bezahlung angeht teile ich ihren Vorschlag nicht. Es wird suggeriert dass die Erzieher/innen gefühlt an der Armutsgrenze arbeiten was einfach nicht stimmt. So sind doch schon heute die Einstiegsgehälter bei über 2.500 Euro. So liegt das Basisgehalt bei Gruppe 8a bei rund 2750 €. Nach entsprechender Dauer erhöht sich das Gehalt auch entsprechend. Es mag sein dass die kirchlichen Einrichtungen etwas schlechter bezahlen aber speziell bei der Stadt gibt es wirklich deutlich schlechter bezahlte Jobs.

@Zizze: Und trotzdem reicht dies nicht als Anreiz, um die ErzieherInnen in der Stadt zu halten oder zu locken. Es ist nunmal so, dass Erzieherinnen es sich quasi aussuchen können, wo sie arbeiten wollen. Die Mieten sind hier zu hoch und der Bedarf an ErzieherInnen auf dem Land besteht genauso. Wir hatten bei uns einige Erzieherinnen, die in ihrem Heimatort nun eine Stelle gefunden haben und daher keine Lust mehr auf Pendeln haben und gewechselt haben. Sie haben dadurch nur Vorteile: Kürzere Wege, geringere Kosten.. Direkt aus Stuttgart kommt bei uns nur eine handvoll Erzieherinnen... und das in einem großen Haus..Wir brauchen Anreize, ErzieherInnen Stuttgart attraktiv zu machen und zu halten!

@ladyharmony: Dieses Problem haben sie leider mittlerweile in vielen Branchen, das Problem ist, zahlen sie den Arbeitnehmern mehr, ziehen die Preise wieder an da ja keiner freiwillig auf etwas verzichtet. Ich gebe ihnen recht, der Beruf muss atraktiver werden, aber dies können sie auf so viele Branchen ausweiten.... nur mal an die Handwerker gedacht.

Kann die Intention völlig nachvollziehen, aber der Mangel an bezahlbarem Wohnraum betrifft eben "leider" nicht "nur" ErzieherInnen. Stimme dem vorschlag zwar zu, aber generell und längerfristig ist es wichtig unabhängig vom Beruf für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen: https://www.mietendemo-stuttgart.de/

Es ist wirklich schade den Mangel an ErzieherInnen mit anzuschauen!
Genau hier fehlt es und die Kinder werden nur noch verwahrt anstatt betreut!
Da hilft auch kein tolles Gebäude oder großer Garten!
Es braucht empathische, motivierte Menschen, die mit Herz und Seele unseren Nachwuchs auf Die Welt und Anforderungen da draußen vorbereiten. Mit Spaß und Kreativität und Unternehmungslust.
Und die Bezahlung sollte auf die hohen Anforderungen angepasst werden-da werden nämlich Menschen geformt und keine Autos oder Maschinen!

Erzieher verdienen nicht schlecht im Vergleich zu anderen Berufen mit vergleichbarer Ausbildung. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten für Quereinsteiger und mit der praxisintegrierten Ausbildung mittlerweile auch die Möglichkeit, schon während der Ausbildung Geld zu verdienen.

In Stuttgart zu wohnen und damit auch zu arbeiten kann man sich bei den Mietpreisen nicht mehr leisten, wenn man in einem sozialen Bereich arbeitet. Wenn hier nicht dringend gehandelt wird, bricht dieses System zusammen.

Mir geht es bei meinem Vorschlag nicht nur um eine bessere bzw. angemessene Bezahlung. Vielmehr halte ich auch das "drumherum", also auch sowas wie Arbeitsbedingungen, Anreize außer Geld (z.B. ein gutes Team und Betriebsklima), vernünftige Ausstattung der Kitas etc., guter Betreuungsschlüssel, ausreichend ErzieherInnen/Arbeitskräfte in jeder Kita usw. für unerlässlich. Und hierfür müssen mE einfach mehr Maßnahmen getroffen und unterstützt werden. Wie gesagt z.B. durch gezieltere Befragungen, Werbung, Förderungen, vielleicht auch Weiterbildungen.. vieles ist für mich denkbar.

Das Argument, Erzieherinnen verdienen gut im Vergleich zu anderen Berufen, hat zwei Schwachstellen. Erstens gibt es viel weniger Erzieherinnen als nachgefragt (also benötigt) werden. In jedem freien Markt würden dann die Löhne steigen, aber der Staat versündigt sich lieber an der öffentlichen Förderungsaufgabe und bleibt tstenlos. Zweitens verdienen Banker auch mehr als Professoren oder Gymnasiallehrer bei gleicher Ausbildungszeit. Nur sind sie trotzdem weniger wichtig, da sie nicht bilden. Was sind Kinder uns wert, was Bildung? Wirklich so wenig? Die Bürgergesellschaft muss hier einfordern, dass wichtige staatliche Aufgaben nicht wegen fehlgeleiteter Sparpolitik vernachlässigt werden.